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Mehr als ein Reiseziel, ein Lebensgefühl

Im Gespräch mit Anton Pichler, General Manager im ADLER Thermae

Seit über zwanzig Jahren steht Anton Pichler an der Spitze des ADLER Thermae in der Toskana. In dieser Zeit hat der gebürtige Österreicher entscheidend dazu beigetragen, dessen Identität und jene besondere Atmosphäre zu prägen, die das Resort auszeichnet. In einem persönlichen Gespräch blickt er auf seinen beruflichen Werdegang zurück, spricht über Veränderungen und Entwicklungen der letzten zwei Jahrzehnte sowie über die Faszination der Toskana – einer Region, die für ihn längst zur Heimat geworden ist.
 
Wie wird man eigentlich Hoteldirektor – und was hat Sie schließlich in die Toskana geführt?
Ich denke, die Hotellerie liegt mir im Blut. Schon als Siebenjähriger wusste ich, was ich einmal werden wollte: Küchenchef. Deshalb führte mich mein Ausbildungsweg direkt an eine Hotelfachschule in Österreich. Meine erste Praxiserfahrung in einem kleinen Familienbetrieb war allerdings ernüchternd. Die Arbeitsbedingungen und die fehlende Professionalität ließen mich schon früh an meinem Berufswunsch zweifeln. Zum Glück folgte kurz darauf eine prägende Erfahrung: In einem Fünf-Sterne-Hotel erkannte ein Maître mein Potenzial, förderte mich und gab mir einen Rat, der mich bis heute begleitet: „Arbeite nur in den besten Betrieben.“
Dieser Satz wurde zu meinem Leitmotiv. Es folgten spannende Jahre in renommierten Restaurants und Fünf-Sterne-Hotels sowie ein Studium mit Schwerpunkt Hotelmanagement. Nach dem Studium hatte ich das Glück, zwei außergewöhnlichen Mentoren zu begegnen. Sie vermittelten mir nicht nur das Handwerk des Hotelmanagements, sondern lehrten mich auch mit offenen Augen durch einen Hotelbetrieb zu gehen, Menschen wirklich zu verstehen und mich niemals mit dem zufriedenzugeben, was gestern gut genug war.
2006 bot sich schließlich die Chance, die Leitung des ADLER Thermae zu übernehmen. Eigentlich hatte ich geplant, nach vielen Jahren in der Schweiz nach Österreich zurückzukehren. Die Toskana kannte ich kaum, und mein Italienisch beschränkte sich auf wenige Worte. Doch schon beim ersten Treffen mit der Familie Sanoner hatte ich dieses besondere Bauchgefühl: Die Begegnung war geprägt von Herzlichkeit, Wertschätzung und gegenseitigem Vertrauen. Für mich war sofort klar: Das möchte ich machen! Dass daraus nicht nur eine langjährige berufliche Erfolgsgeschichte, sondern auch eine tiefe Verbundenheit mit der Toskana entstehen würde, hätte ich damals nicht erwartet.

Im Laufe Ihrer Zeit im ADLER Thermae wurden zahlreiche Veränderungen und Projekte umgesetzt Gab es eines, das Ihnen persönlich besonders am Herzen lag?
Jedes Projekt ist spannend und intensiv. Von der ersten Idee bis zur Realisierung wird es schnell zu einer persönlichen Herzensangelegenheit. Während der kurzen Schließungszeit tauscht man den Anzug gegen den Sicherheitshelm. Dann bestimmen Baustellen, Handwerker und Termindruck den Alltag. Umso schöner ist der Moment, wenn zur Wiedereröffnung alles bereitsteht – und die ersten Gäste fragen, ob wir schöne Ferien hatten.
Die Neugestaltung der Osteria war mir ein ganz besonderes Anliegen. In ihrem neuen Kleid bietet sie unseren Gästen die Möglichkeit, das ganze Jahr über im Garten zu Mittag zu essen. Gleichzeitig hat sie sich zu einem beliebten Treffpunkt für einen Aperitif und genussvolle Begegnungen entwickelt. Die Osteria verkörpert genau das, was wir unseren Gästen vermitteln möchten: herzliche Gastfreundschaft in legerer Atmosphäre und das einzigartige Gefühl, die Toskana mit allen Sinnen zu erleben.
Mindestens ebenso wichtig sind mir jedoch die Projekte für unsere Mitarbeitenden. In den vergangenen Jahren konnten wir ein besonders schönes Mitarbeiterrestaurant schaffen – mit einer Terrasse, um die uns so mancher Gastbetrieb beneidet. Derzeit investieren wir zudem in neue Unterkünfte, um die Wohnqualität für unsere Teammitglieder weiter zu verbessern. Unsere Mitarbeitenden sind die guten Seelen des Hauses, deshalb braucht es ein Arbeitsumfeld, in dem sie sich wohlfühlen, Wertschätzung erfahren und gerne Teil unseres Teams sind. Nur wer selbst positive Energie spürt, kann sie auch an die Gäste weitergeben.

Gleichzeitig sind auch neue Angebote hinzugekommen. Wie haben sich im Laufe der Jahre die Ansprüche der Gäste verändert?
Besonders stolz macht mich die außergewöhnliche Treue unserer Gäste: Viele kommen seit Jahren, manche sogar seit der Eröffnung, zu uns. Dies verdanken wir vor allem unseren langjährigen Mitarbeitenden, die mit Herzlichkeit und Persönlichkeit ein Gefühl von Vertrautheit und Kontinuität schaffen, die heute kostbarer denn je ist. Doch lässt es sich nicht abstreiten, dass sich die Erwartungen der Gäste inzwischen verändert haben: sie sind besser informiert, bewusster und auch anspruchsvoller.
So beobachten wir beispielsweise einen klaren Trend hin zu einer Form des Reisens, bei der Natur, Kultur und die Identität einer Region im Mittelpunkt stehen. Für uns ist dieser Ansatz allerdings nichts Neues. Seit Anfang an verbinden wir in unserem Outdoor-Programm Bewegung, Landwirtschaft, Tradition und echte Begegnungen mit den Menschen der Region. Unsere Wanderungen führen zu Safran-, Olivenöl- und Weinproduzenten und zu einer historischen Getreidemühle. Gemeinsam mit unseren Gästen sammeln wir Wildkräuter und wilden Spargel und verarbeiten diese Zutaten in der Tenuta Sanoner zu authentischen toskanischen Gerichten. So entstehen genau jene Erlebnisse, die für viele Gäste heute immer wichtiger werden.
Auch in Bezug auf Spa und Wellness sind die Erwartungen der Gäste deutlich konkreter geworden. Sie suchen nicht nur Entspannung, sondern wünschen sich individuell abgestimmte Behandlungen mit spürbarer Wirkung und gezielten Ergebnissen. Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, investieren wir kontinuierlich in innovative Behandlungsmethoden, modernste Technologien und die Weiterentwicklung unserer ADLER Spa Kosmetiklinie. Besonders stark entwickelt hat sich in den letzten Jahren ADLER Med. Mithilfe moderner Diagnostik und spezialisierter Laboranalysen können wir Gesundheits- und Regenerationsprogramme anbieten, die präzise auf die Bedürfnisse jedes Gastes zugeschnitten sind.
Um unseren hohen Qualitätsanspruch langfristig sicherzustellen, haben wir die ADLER Spa Academy ins Leben gerufen. Dadurch fördern wir gezielt die Aus- und Weiterbildung unseres Teams sowie den kontinuierlichen Austausch von Wissen und Erfahrung.
Auch Themen wie Nachhaltigkeit und der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen sind mehr und mehr in den Fokus gerückt. Mittlerweilen sind wir EarthCheck-zertifiziert. Damit folgen wir einem klaren Weg, der ökologische Verantwortung mit höchster Qualität verbindet. Nachhaltiges Handeln ist für uns kein bloßes Bekenntnis, sondern ein gelebter Wert, der jede unserer Entscheidungen mitbestimmt und den unsere Gäste in jedem Aspekt ihres Aufenthalts spüren können.
 
Was macht die Toskana in Ihren Augen so besonders? Und welche Erlebnisse würden Sie Gästen empfehlen, die ihre authentische Seele entdecken möchten?
Es ist wohl diese einzigartige Kombination aus Landschaft, Kultur, Kulinarik und den Menschen, die diese Region so einzigartig macht. Für mich ist die Toskana kein Reiseziel, sondern ein Lebensgefühl. Man spürt hier eine Leichtigkeit, die ich zuvor nicht kannte.
Wer die Toskana authentisch erkunden will, sollte sie in verschiedenen Jahreszeiten besuchen. Der Frühling, wenn alles blüht und wächst hat einen ganz anderen Charakter als der goldene Herbst mit seinen Farben, Düften und Früchten. Jede Jahreszeit erzählt ihre eigene Geschichte. Gleichzeitig sollte man sich Zeit nehmen, die Toskana in einem langsamen Rhythmus zu entdecken. Die schönsten Erlebnisse entstehen oft fernab der berühmten Sehenswürdigkeiten: bei einer Wanderung durch die sanften Hügel des Val d'Orcia, einer Radtour abseits der Straße, einer Verkostung bei einem lokalen Produzenten oder einem Aperitivo auf einem Dorfplatz. Doch die wahre Seele der Toskana zeigt sich vor allem in ihren Bewohnern. Um sich in die Toskana zu verlieben, muss man die Menschen kennenlernen, ihre Geschichten hören, ihre Traditionen erleben und ihre Leidenschaft für das Leben spüren.

Gibt es im Hotel für Sie einen Lieblingsplatz, an dem Sie sich gerne für einen Moment zurückziehen?
Wenn ich durch das Haus gehe und am Fitnessbereich vorbeikomme, zieht es mich oft in den dahinterliegenden Garten. Dort fällt es mir leicht zur Ruhe zu kommen, Konzentration zu finden und Energie zu tanken. Vielleicht ist genau das die größte Stärke des ADLER Thermae: Es schenkt nicht nur unseren Gästen Erholung, sondern auch den Menschen, die hier jeden Tag arbeiten.

Fällt Ihnen eine besondere Anekdote oder ein lustiges Erlebnis ein, das Sie mit uns teilen möchten?

Nach fast 20 Jahren im ADLER THERMAE gäbe es wahrscheinlich genügend Geschichten für ein eigenes Buch. Besonders in Erinnerung bleiben mir jedoch nicht einzelne große Ereignisse, sondern die vielen kleinen, oft unerwarteten Momente, die diesen Ort so einzigartig machen.
Besonders schätze ich die gemeinsame Zeit mit unseren Mitarbeitenden, wenn neben dem Arbeitsalltag auch Raum für persönliche Gespräche, gemeinsames Lachen und Feiern bleibt.
Ein schönes Beispiel dafür ist unser jährliches Sommerfest, zu dem auch die Familien unserer Mitarbeitenden eingeladen sind. Einige unserer jüngeren Teammitglieder, die heute im ADLER ihre ersten Arbeitserfahrungen sammeln, kenne ich seit ihrer Kindheit an. Bei unseren Gästen verhält es sich ähnlich. Manche waren zum ersten Mal als Kinder bei uns und kehren heute mit ihren eigenen Familien zurück. Solche Momente zeigen, dass das ADLER Thermae für viele weit mehr als ein Arbeitsplatz oder Urlaubsziel ist – es ist ein Stück Zuhause. Das zu erleben, ist ein wirklich schönes Gefühl.

Zum Abschluss ein Blick in die Zukunft: Welche Entwicklungen, Ideen oder Projekte möchten Sie in den kommenden Jahren verwirklicht sehen?
Ein wichtiges Anliegen bleibt für mich die nachhaltige Entwicklung der Val d’Orcia. Gemeinsam mit lokalen Partnern möchten wir den sanften Tourismus aktiv fördern, Wander- und Radwege weiter ausbauen und Gästen die Schönheit der Landschaft noch näher bringen. Ebenso wichtig ist die Arbeit mit unseren Mitarbeitenden. Auch künftig brauchen wir ein starkes, motiviertes Team und möchten vor allem junge Menschen für die Hotellerie begeistern. Denn engagierte Nachwuchskräfte sind die Grundlage dafür, dass Gastfreundschaft auch in Zukunft auf höchstem Niveau gelebt werden kann.
Und natürlich entstehen innerhalb der ADLER Familie in der Toskana bereits neue, faszinierende Projekte. Mehr möchte ich dazu jedoch noch nicht verraten. Aber eines kann ich Ihnen versichern: Es bleibt spannend!